Homesteading ist ein Begriff, der sich nicht eindeutig ins Deutsche übersetzen lässt, da er weit mehr umfasst als ein einfaches „Selbstversorgerleben“ oder „Landwirtschaft im kleinen Stil“. Es beschreibt eine Lebensweise, die auf Selbstversorgung, nachhaltiges Leben und oft auch eine enge Verbindung zur Natur setzt. Der Begriff stammt ursprünglich aus den USA, wo das „Homestead Act“ von 1862 Pionieren ermöglichte, Land zu beanspruchen und es durch harte Arbeit zu bewirtschaften.

Heute ist Homesteading jedoch viel mehr als das und kann sowohl auf dem Land als auch in urbanen Gebieten praktiziert werden. Es ist eine Entscheidung für ein einfacheres, entschleunigtes Leben, das sich an natürlichen Kreisläufen orientiert und moderne Technik mit traditionellem Wissen verbindet.

Homesteading ist kein fest definiertes Konzept, sondern eine individuelle Herangehensweise an das Leben. Für manche bedeutet es eine komplette Abkehr von der modernen Gesellschaft und das Streben nach vollkommener Unabhängigkeit, während es für andere eher darum geht, gewisse Aspekte des Alltags nachhaltiger und bewusster zu gestalten. Gerade in der heutigen Zeit, in der Klimawandel, Umweltprobleme und Ressourcenknappheit zunehmend an Bedeutung gewinnen, erleben Konzepte wie Homesteading eine Renaissance.

Für uns ist Homesteading nicht nur ein Weg, nachhaltiger zu leben, sondern auch eine bewusste Entscheidung für eine Lebensweise, die sich aktiv für den Erhalt und die Förderung der Natur einsetzt. Wir wollen hochwertige, nährstoffreiche Lebensmittel aus lokaler, umweltfreundlicher Produktion für uns und unsere Gemeinschaft bereitstellen – ohne die Natur auszubeuten, sondern sie zu bereichern. Wir glauben daran, dass Landwirtschaft nicht zwangsläufig mit Umweltzerstörung einhergehen muss, sondern im Gegenteil dazu beitragen kann, Ökosysteme zu schützen und die Artenvielfalt zu erhalten. Deshalb setzen wir auf Methoden, die sich regenerativ auf Boden und Umwelt auswirken.

Unsere vegane Lebensweise ist ein wesentlicher Bestandteil unseres Verständnisses von Homesteading. Wir haben uns entschieden, keine Tiere zu nutzen oder zu halten (bereits mit uns lebende Tiere natürlich ausgeschlossen, und auch die eine oder andere Rettung oder Obsorge wird sich im Laufe der Zeit wahrscheinlich ergeben), weil wir daran glauben, dass ein nachhaltiges Leben auch bedeutet, anderen Lebewesen mit Respekt zu begegnen und Alternativen zu finden, die keine Ausbeutung beinhalten. Gleichzeitig möchten wir mit unserem Tun einen Mehrwert für die Gemeinschaft schaffen – indem wir Wissen teilen, anderen helfen, ihre eigene Selbstversorgung aufzubauen, und gemeinsam an Lösungen arbeiten, die Menschen unabhängig von globalen Märkten machen. Homesteading ist für uns also nicht nur ein persönlicher Lebensweg, sondern auch eine Möglichkeit, anderen zu zeigen, dass es Alternativen gibt und dass nachhaltiges, bewusstes Leben Freude bringt.

Was beinhaltet Homesteading?

Homesteading ist eine vielseitige Lebensweise, die zahlreiche Bereiche umfasst und auf Selbstversorgung, handwerkliche Fertigkeiten und nachhaltiges Wirtschaften setzt. Dabei stehen folgende Prinzipien im Mittelpunkt:

Selbstversorgung:
Ein zentraler Aspekt des Homesteading ist die Produktion eigener Lebensmittel. Dazu gehören der Anbau von Obst, Gemüse und Heilkräutern unter Berücksichtigung von Permakulturprinzipien. Statt auf Monokulturen oder künstliche Düngemittel zu setzen, werden Anbauflächen so gestaltet, dass sie langfristig fruchtbar bleiben und die Bodenqualität sich verbessert.

Handwerkliche Fertigkeiten:
Die Herstellung eigener Produkte und die Nutzung natürlicher Materialien spielen eine wichtige Rolle. Bauprojekte mit regionalen Ressourcen, das Anfertigen von Haushaltsprodukten wie Seifen oder das Fermentieren von Lebensmitteln sind beispielsweise Fertigkeiten, die zur Unabhängigkeit beitragen. Die Fähigkeit, Dinge selbst zu erschaffen, fördert eine tiefere Verbindung zur eigenen Arbeit und zu den genutzten Ressourcen.

Nachhaltigkeit & Autarkie:
Ein bewusster Umgang mit Ressourcen bildet eine weitere Grundlage des Homesteading. Regenwassernutzung, Kompostierung und natürliche Anbaumethoden, die ohne Pestizide oder synthetische Düngemittel auskommen, sind zentrale Elemente. Das Ziel ist es, sich möglichst unabhängig von globalen Lieferketten zu machen und nachhaltige Erträge auch auf kleiner Fläche zu erzielen.

Minimalismus & Upcycling:
Ein reduzierter Lebensstil bedeutet nicht Verzicht, sondern Freiheit. Weniger Konsum eröffnet mehr kreative Möglichkeiten, und statt neue Produkte zu kaufen, liegt der Fokus darauf, bestehende Materialien wiederzuverwenden. Upcycling, Reparatur und ein bewusster Umgang mit Besitz stehen dabei im Vordergrund.

Gemeinschaft & Wissen teilen:
Homesteading ist keine isolierte Lebensweise, sondern lebt vom Austausch mit anderen. Das gesammelte Wissen wird weitergegeben, sei es durch gemeinschaftliche Projekte, Workshops oder den Dialog mit Gleichgesinnten. Ziel ist es, mehr Menschen zu inspirieren, nachhaltiger und selbstbestimmter zu leben.

Gesundheit und Achtsamkeit:
Die enge Verbindung zur Natur, die bewusste Herstellung von Lebensmitteln und die handwerkliche Arbeit wirken sich positiv auf das körperliche und seelische Wohlbefinden aus. Homesteading kann als Form der Selbstfürsorge gesehen werden, die entschleunigt, erdet und dabei hilft, das Leben bewusster zu genießen.

Unser Start auf frisch gerodetem Land

Unser Ausgangspunkt ist eine Fläche, die zuvor von dichtem Nadelwald bedeckt war. Der Boden war extrem sauer, arm an Humus und voller Steine – eine denkbar schwierige Grundlage für nachhaltige Landwirtschaft. Solche Böden weisen oft einen niedrigen pH-Wert auf, was die Nährstoffaufnahme für Pflanzen erschwert. Zusätzlich fehlt die für gesundes Pflanzenwachstum essenzielle Humusschicht, und das Bodenleben ist meist stark reduziert.

Um eine Grundlage für unsere Permakultur zu schaffen, nutzen wir unsere sogenannte Starterfläche. Diese dient uns als Zentrum für die Anzucht und Vermehrung von Pflanzen, die nach und nach auf das gesamte Grundstück verteilt werden sollten.

Zu Beginn graben wir die Erde in mühevoller Handarbeit um und heben Gräben mit einer Tiefe von etwa 50 cm aus. Die Erde wird gesiebt, Steine entfernt und mit einer Mischung aus hochwertigem Kompost, zugekaufter Gartenerde und aktivierter Pflanzenkohle wieder in die Gräben gefüllt. Letztere, auch als Biochar bekannt, verbessert nicht nur die Wasserspeicherfähigkeit des Bodens, sondern bietet auch eine optimale Umgebung für Mikroorganismen, die langfristig zur Bodenfruchtbarkeit beitragen.

Zusätzlich haben wir große Steine (die wir zuvor aus der Erde entfernt haben) gezielt um unsere Pflanzen platziert, um die Bodenqualität und das Mikroklima weiter zu verbessern. Die Steine dienen einerseits als natürliche Drainage, indem sie überschüssiges Wasser ableiten und Staunässe verhindern. Andererseits speichern sie tagsüber Wärme und geben diese in den kühleren Nachtstunden langsam wieder ab. Dadurch entsteht ein stabileres Mikroklima, das den Pflanzen hilft, Temperaturschwankungen besser zu überstehen und das Wachstum zu fördern. Besonders in Regionen mit kühleren Nächten oder starken Temperaturschwankungen kann dieser Effekt maßgeblich zur Pflanzengesundheit beitragen.

Um den Boden weiter zu schützen und mit Nährstoffen zu versorgen, decken wir unsere frisch bepflanzten Flächen mit einer Mulchschicht aus. Dafür verwenden wir Rasenschnitt aus der Nachbarschaft sowie Holzschnitzel, die wir aus den Rodungsresten des Geländes herstellen. Dieser Mulch schützt den Boden vor Austrocknung, unterdrückt unerwünschten Bewuchs und schafft eine lebendige Umgebung für Bodenlebewesen wie Regenwürmer und Mikroorganismen.

Ein gesundes Bodenleben ist wichtig für nachhaltige Landwirtschaft. Regenwürmer zersetzen organisches Material, lockern den Boden auf und verbessern die Durchlüftung. Mikroorganismen wie Pilze und Bakterien spielen eine zentrale Rolle im Nährstoffkreislauf, indem sie organische Substanzen abbauen und Pflanzen mit essenziellen Nährstoffen versorgen.

Unsere Entwicklung im ersten Jahr

Im Laufe des ersten Jahres hat sich unsere Starterfläche sichtbar verändert. Die ersten Pflanzen haben sich etabliert, der Boden beginnt, sich zu regenerieren, und das Mikroklima hat sich durch die Mulchschicht und die hinzugefügten Steine verbessert. Die Bodenlebewesen haben sich vermehrt, was zu einer spürbar besseren Bodenstruktur führt. Hier einige Bilder, die die Entwicklung unserer Starterfläche dokumentieren:

Warum gibt es keine direkte Übersetzung für Homesteading?

Homesteading ist mehr als nur „Selbstversorgung“ oder „Leben auf dem Land“. Es kombiniert verschiedene Aspekte wie Nachhaltigkeit, Autarkie, handwerkliche Fertigkeiten und eine bewusste Lebensweise in einem Konzept, das sich nicht mit einem einzigen deutschen Wort erfassen lässt. In Deutschland und Österreich gibt es zwar Begriffe wie „Selbstversorgerleben“ oder „alternative Landwirtschaft“, doch diese greifen oft zu kurz, da sie nicht die gesamte Philosophie des Homesteading abbilden.

Für uns ist Homesteading auch eine Haltung. Es ist eine Abkehr vom Gedanken des schnellen Profits, der industriellen Landwirtschaft und der Wegwerfgesellschaft hin zu einer nachhaltigen, wertschätzenden und langfristig tragbaren Lebensweise. Wir glauben daran, dass kleine Veränderungen einen großen Unterschied machen können, und genau deshalb gibt es für uns keine bessere Art zu leben.

Fazit

Homesteading ist eine faszinierende Lebensweise, die sich individuell anpassen lässt und in verschiedenen Umfängen umgesetzt werden kann. Ob man nun auf einem großen Grundstück lebt und sich komplett selbst versorgt oder in einer Stadtwohnung beginnt, Brot selbst zu backen und Regenwasser zu sammeln – Homesteading ist für jeden zugänglich. Es verbindet Tradition mit Moderne und bietet eine nachhaltige, erfüllende Alternative zum konventionellen Lebensstil.

Letztlich geht es beim Homesteading nicht nur um materielle Selbstversorgung, sondern auch um eine geistige und emotionale Einstellung. Es bedeutet, bewusster mit den eigenen Ressourcen umzugehen, sich mit der Natur zu verbinden und ein Leben im Einklang mit der Umwelt zu führen. Für uns ist es unser Weg, hochwertige Lebensmittel zu produzieren, ein nachhaltiges Ökosystem zu schaffen und aktiv einen positiven Beitrag zur Umwelt und unserer Gemeinschaft zu leisten. Wer sich auf diesen Weg begibt, wird feststellen, dass Homesteading nicht nur eine Form der Unabhängigkeit ist, sondern auch eine Quelle tiefer Zufriedenheit und Erfüllung sein kann.

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